Schweizer Pioniere

Josef Imboden im Himalaya

Historisches • 15. Mai 2018

Josef Imboden war der erste Schweizer Bergführer im Himalaya und ein leidenschaftlicher Reisender. Einer bergsteigenden Lady irischer Herkunft hat er es besonders angetan.

Josef Imboden - erster Schweizer Bergführer im Himalaya
Foto: Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag
Josef Imboden - erster Schweizer Bergführer im Himalaya

Josef Imboden verdiente seine ersten Franken bei einem Schuhmacher in St. Niklaus. Als er bereits mit fünfzehn Jahren Gästen seine Dienste als Bergführer anbot stand noch kein einziger Eintrag in seinem Bergsteigerbuch, doch das sollte sich ändern. In Riffel konnte er einen Engländer überreden, ihn auf die Cima di Jazzi zu führen. „Er war zufrieden und am nächsten Tag geleitete ich ihn allein auf die Monte Rosa. (…) Seither mangelte es mir nicht mehr an Gästen“, erinnerte sich Imboden später.

Erster Schweizer Gipfelsieg im Himalaya

In der Wintersaison 1883, mit Anfang Dreißig, reiste Imboden mit dem Briten William W. Graham nach Indien. Es ist allgemein anerkannt, dass die beiden zu den ersten reinen Bergsteigern im Himalaya zählten. Sie kamen am 20. Februar in Bombay an und reisten dann über Kalkutta weiter nach Darjeeling. Von dort erblickten sie bereits den 75 Kilometer entfernten Kangchendzönga, mit 8.598 m der dritthöchste Berg der Erde. Am sechsten Tag eines Marsches mit etlichen Kulis kamen sie in Jongri (4.030 m) an. Tags darauf begaben sich Imboden und Graham mit drei Begleitern zum Fuße des Khang-Passes, der nach Nepal führt, und biwakierten auf circa 5.000 m auf einer Gletschermoräne. Am nächsten Tag gelang es ihnen, in fünfeinhalb harten Stunden in Fels und Schnee denn damals unbekannten Felsgipfel Khana Kang (6.058 m) zu besteigen. Es war das erste Mal, dass ein Schweizer im Himalaya einen Berg erstiegen hatte. „Um 10 Uhr 15 erreichten wir den Gipfel. Wir hatten eine noble Aussicht auf Kangchendzönga. Es war zu kalt, um lange zu bleiben (…)“.

Der Kangchendzönga (8.598 m) auf einer historischen Aufnahme
Foto: Images de l'Himalaya, encyclopédie Alpina illustrée
Der Kangchendzönga (8.598 m) auf einer historischen Aufnahme

Im Bann des Kangchendzönga

Der mächtige Achttausender ließ sie nicht los. Von Jongri aus überquerten Imboden und Graham den 4.940 m hohen Guicha-la-Gletscherpass – dabei offenbarte sich abermals ein faszinierender Blick, nunmehr auf die Nordwand des Kangchendzönga. Da es aber zu schneien anfing, kehrten sie um und mussten einsehen, dass es zu früh für eine Besteigung war. „(…) Lawinen gingen unaufhörlich auf allen Seiten nieder, die Kälte war klirrend, und fast alle Träger litten entweder an Frostbeulen, Schneeblindheit oder Fieber“, schildert Graham die dramatische Situation. Auch Josef Imboden blieb vom Fieber nicht verschont – er trat deshalb von Darjeeling aus die Heimreise an.

Josef Imboden und Elisabeth Hawkins Whitshed alias Mrs. Burnaby, Mrs. Main und Mrs. Aubrey Le Bond

Eine besondere Freundschaft

C.D. Cunningham, einer seiner Gäste, schrieb über Josef Imboden: „Er war während vielen Jahren einer der besten Bergführer; kein Unfall war seinen Gästen je widerfahren.“ Auch nicht Elisabeth Hawkins Whitshed, der er zwei Jahrzehnte als Bergführer und Freund verbunden war. Er führte die irischstämmige, „blendend aussehende“ Schriftstellerin aus gutem Haus (sie war dreimal verheiratet) und spätere Mitbegründerin des Ladies’ Alpine Club auf etliche Alpengipfel. 1884 gelang ihnen z.B. die Erstbesteigung des 4.135 m hohen Vorgipfels des Bishorns („Pointe Burnaby“) – einer der wenigen Viertausender, bei dessen Erstbesteigung eine Frau maßgeblichen Anteil hatte. Etliche weitere Gipfelsiege und Erstbesteigungen feierten die beiden im Zuge dreier Norwegenreisen ab 1897. Es war jenes nördliche Land, welches Elisabeth „während des ganzen Winters in meinen Träumen gesehen hatte. Mein Freund und Begleiter in den Alpen und sein Sohn Emil warteten in Trondheim. Josef Imboden war ein idealer Bergführer. (…) Imboden verdanke ich wohl den grössten Teil meiner Freude, nicht nur über unsere erfolgreichen Bergbesteigungen, sondern auch wegen unzähliger kleiner Begebenheiten während unseres Alltagslebens unterwegs.“ Allein in den Monaten Juli bis September 1898 konnten die beiden insgesamt 18 Gipfelerfolge in den Lyngsalpen verbuchen, davon vierzehn Erstbesteigungen. Einer davon trägt heute zu Ehren des Schweizers den Namen Imbodentind (1.565 m).

Emil Imboden, Sohn von Josef Imboden, errichtet 1899 einen Steinmann auf dem Imbodentind in Norwegen
Foto: Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag
Emil Imboden, Sohn von Josef Imboden, errichtet 1899 einen Steinmann auf dem Imbodentind in Norwegen

Josef Imboden, der im Jahr 1879 auch das Amt des Präsidenten des Bergführervereins des Nikolaitals innehatte, zog es nicht nur nach Norwegen und er war im Winter gerne als Reiseleiter unterwegs. In dieser Funktion hat er beinahe jedes europäische Land bereist. Er starb am 14. August 1925 in St. Niklaus.


Josef Imboden

  • Geboren: Am 14. Februar 1840 in St. Niklaus
  • Leben: Bergsteiger, Bergführer, Politiker (1901-04 Gemeindepräsident von St. Niklaus)

Buch-Tipp

Berge: Beruf, Berufung, Schicksal
Foto: Rotten Verlag
Berge: Beruf, Berufung, Schicksal

Mehr zum Thema

Peter Sarbach, Herschel Paker und John Norman Collie (von links) 1897 in Kanada
Im Banff-Nationalpark, mitten in den kanadischen Rocky Mountains, steht der 3.155 m hohe Mount Sarbach. Seinen Namen erhielt er zu Ehren eines Walliser Bergführers aus dem kleinen St. Niklaus, der den kanadischen Alpinismus nachhaltig geprägt hat.  
Josef Knubel
Nicht nur Heinrich Harrer zollte dem „König der Viertausender“ Tribut: Josef Knubel durchstieg als erster die Nordostwand des Eigers und gilt als einer der letzten großen Schweizer Bergführer-Pioniere.
Alois Pollinger aus St. Niklaus im Wallis
Alois Pollinger galt als König schwieriger Kletterrouten. Weder Eiger noch Schreckhorn jagten ihm Schrecken ein. Auch den „Viereselgrat“ der Dent Blanche erschloss er als Erster – und verlieh ihm seinen Namen.

Bergwelten entdecken