
David Lama: Über Freundschaft
Foto: Martin Hanslmayr / Red Bull Content Pool
von David Lama
Dass eine starke Verbundenheit da ist, zeigt sich für mich oft auf einer anderen Ebene. Es ist dieses gute Gefühl, nichts sagen zu müssen und sich trotzdem zu verstehen. Beim ersten Versuch auf der 7.668 Meter hohen Chogolisa in Pakistan kämpfte ich mich mit Peter Ortner stundenlang durch grundlosen Schnee – an einem bestimmten Punkt wussten wir beide: Es ist Zeit, umzudrehen. Worte waren da nicht mehr notwendig.
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Gemeinsame Projekte am Berg leben von ähnlichen Vorstellungen über Routen, Taktik und Risikobereitschaft. In einer Freundschaft dürfen auch Kontroversen ihren Platz haben. Ich erwarte von meinen Partnern nicht nur, dass sie ihr eigenes Potenzial zu hundert Prozent ausschöpfen, sondern auch, dass sie ihre Meinung sagen. Selbst dann, wenn diese nicht meiner entspricht. Bei der Expedition zum Masherbrum, meinem in Pakistan gelegenen Traumberg, haben Peter Ortner, Hansjörg Auer und ich genauso heftig wie emotional über die sinnvollste Aufstiegsroute diskutiert. Bis zum Schluss waren wir uns dar-über nicht zu hundert Prozent einig. Vielleicht wird sich gerade diese Diskussion um die geeignete Linie als ein Schlüssel für das Projekt herausstellen.
Ist Freundschaft also doch die wichtigste Basis für den Erfolg? Sicher nicht. Oft genug bin ich mit Freunden gescheitert. Andererseits habe ich anspruchsvolle Projekte mit neuen Seilpartnern schon bei der ersten gemeinsamen Tour umgesetzt. Die Berge werden nicht niedriger, weil ich sie mit Freunden besteige. Der Unterschied liegt für mich in der Qualität des Erlebten – egal ob in Form eines Erfolgs oder im Scheitern. Das gemeinsame Erlebnis wird größer, tiefer und reicher.
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