
Berg-ABC: Murmeltiersalbe
Foto: Leandro Alzate
von Martin Foszczynski
Murmeltiersalbe, die
Dass die Murmeltiere derart ihr Fett wegbekommen, scheint nicht ganz fair. Oft liegen sie nur auf der faulen Haut, futtern auch nicht gerade wenig – doch die Leibesfülle ist essentiell, geht es für die Erdhörnchen doch darum, den Winter zu überdauern. Dieser Überlebensinstinkt wird ihnen zum Verhängnis. Im Fett, das sich die Nager vor dem Winterschlaf anfressen, steckt besonders viel Vitamin D, E und eine Cortison-ähnliche Substanz. In Salben eingearbeitet verspricht es Linderungen von Gelenksschmerzen und Rheuma.
Dem Laien stellen sich da zunächst mal ganz praktische – eher unschöne – Fragen. Wie kommt das Murmelfett in die Salbe? Werden die Tierchen ausgedrückt? Gepresst? Eingekocht? Bergführer und Biologe Lukas Rinnhofer klärt auf: Die Stunde der Murmeln schlägt meistens früh am Morgen, wenn sie ihren Bau verlassen. Das Fett wird vom gereinigten Darm gedrückt, leicht erwärmt und ausgesiebt.
Zarten Gemütern geht das nicht wirklich runter wie Öl. Wo kämen wir hin, wenn man mit allen Publikumslieblingen ähnlich verführe wie mit den Murmeln? Findige Vermarkter hätten sicher einige tolle Ideen: Die Eisbären-Lotion im Zoo-Shop, Lipizzaner-Lippenbalsam in der Hofburg, Clowns-Creme (gegen Lachfalten?) am Zirkusausgang.
Über die Wirksamkeit des recht hochpreisigen Wundermittels herrscht übrigens keine Einigkeit. Manche meinen gar, die Nager-Salbe wäre weniger zum Ein-, als vielmehr zum Krenreiben. Vielleicht sollte man es beim nächten Besuch eines Souvenirladens in Altenmarkt, Ischgl oder Zell am Ziller den Murmeln gleichtun und im Zweifelsfall einfach drauf pfeifen.
Alpinwissen

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