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Woran erkenne ich, dass ein Gewitter aufzieht?

Wetter • 24. Juli 2018

Wir gehen in die Berge, weil wir die Natur lieben. Doch lässt diese mit Blitz und Donner „ihre Muskeln spielen“, wird es für uns Wanderer gefährlich. Konstantin Brandes, Meteorologe beim Wetterdienst UBIMET, erklärt, welche konkreten Anzeichen auf ein drohendes Gewitter schließen lassen und was dann zur eigenen Sicherheit zu tun ist.

Berghütte Nationalpark Berchtesgaden
Foto: mauritius images/ Martin Zwick
Hütten sind bei drohenden Gewittern ein höchst willkommener Unterschlupf

Gewitter lassen sich grob in zwei Arten unterteilen: Wärmegewitter und Frontgewitter.

1. Wärmegewitter

Erstere entstehen vor allem an sonnigen Sommertagen, meistens im Laufe des Nachmittags oder am Abend. Zunächst entwickeln sich über den Berghängen Haufenwolken – die klassischen Schönwetterwolken.

Anzeichen: Bleiben sie klein, droht dem Wanderer keine Gefahr. Wachsen sie hingegen zu hohen Wolkentürmen heran, kann es brenzlig werden. Ein weiteres Anzeichen für ein drohendes Gewitter ist die Farbe der Wolken: Wandelt sie sich von weiß zu grau oder dunkelblau, drohen Unwetter. Solche Wärmegewitter regnen sich oft an Ort und Stelle aus und „sterben“ auf diese Weise ab.

2. Frontgewitter

Frontgewitter sind deutlich schwieriger einzuschätzen. Erstens ziehen sie viel schneller auf, zweitens ist es zuvor häufig noch strahlend sonnig. Diese Gewitter kommen also viel überraschender und bringen neben Regen oft auch Sturm, Hagel und eine massive Abkühlung mit sich.

Anzeichen: Frischt der Wind im Gebirge kräftig oder gar stürmisch auf, steht das Frontgewitter meist unmittelbar bevor. Meist vergehen dann nur noch wenige Minuten, bis es beginnt kräftig zu regnen und zu hageln.

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  • Ein Gewitter zieht auf – was tun?

    Generell gilt: Auch wenn das Gewitter noch weit entfernt scheint, weil beispielsweise kein Donner zu hören ist, sollte man seine Zugrichtung immer im Blick haben. Im Zweifelsfall sollte man sich für einen frühzeitigen Abbruch der Wanderung entscheiden, dauert es doch meist auch eine gewisse Zeit, ehe man einen sicheren Unterstand erreicht.

    Wie weit ist das Gewitter noch entfernt?

    Sieht man Blitze am Horizont, aber hört noch keinen Donner, so ist das Gewitter mindestens 18 km entfernt. Denn auf dieser Distanz wird der Schall geschluckt. Sieht man hingegen Blitze und hört verzögert den Donner, so lässt sich schnell ausrechnen, wie weit das Gewitter noch entfernt ist. Die Faustregel lautet: Dauer zwischen Blitz und Donner in Sekunden geteilt durch drei ergibt die Entfernung in Kilometern.

      Gewitterwolke
      Foto: Unsplash/ Michael Weider
      Wärmegewitter bauen sich in Form von Wolkentürmen auf

      Blitze können bei einer Bergtour aber auch dann schon in unmittelbarer Nähe einschlagen, wenn das Gewitter noch rund 5 km entfernt ist. Grund hierfür können unterirdische Wasseradern oder die gespannten Drahtseile von Klettersteigen sein – beides überträgt die Spannung. Liegen zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden, wird es gefährlich. Spätestens jetzt sollte man sich in Sicherheit bringen.

      Dann gilt weg von:

      • Gipfeln,
      • Graten,
      • exponierten Stellen wie Seilbahnstützen und
      • nassen Stellen.

      Sicherheit findet man in einer Hütte oder einer Biwakschachtel mit Blitzableiter. Auch der Wald bietet einen gewissen Schutz. Wird man fernab all dieser Rückzugsorte von einem Gewitter überrascht, sollte man mit geschlossenen und angezogenen Beinen in die Hocke gehen, am besten auf einer isolierenden Unterlage (z.B. dem Rucksack).

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