Wetterregel

Von der Schönwetterwolke zum Gewitter

Wetter • 9. Juni 2016
von Andreas Jäger

Wenn man Gewittertürme mit ihren Orkanböen, Starkregen und Blitzschlägen als die gefährlichsten Wolken bezeichnet – dann sind Schönwetter- und Schäfchenwolken die wahrscheinlich harmlosesten Wolken. Doch: jedes schwere Gewitter fängt als vermeintliche Schönwetterwolke an. Wann sie weiterwächst und wann sie friedlich bleibt, erklärt Meteorologe Andreas Jäger.

Wetterregel Schönwetterwolken
Foto: Herbert Raffalt
Schönwetterwolken über dem steirischen Gesäuse

Schäfchenwolken und Schönwetterwolken

Die beiden Wolkenarten sind in unterschiedlichen Niveaus zu Hause:

  • Schäfchenwolken findet man im Atmosphärenstockwerk zwischen 2.000 und 6.000 Meter. Sie sind oft schuppenartig und ähneln tatsächlich manchmal einer Schafherde, die über den Himmel zieht. Bergsteigern signalisieren sie: „Du kannst ohne Bedenken losmarschieren“.
  • Schönwetterwolken zeigen sich ein Stockwerk tiefer bis maximal 2.000 Meter über Grund. Sie bauschen sich oben weiß auf, als wollten sie weiter nach oben wachsen. An der Unterseite sind sie aber eher glatt und grau. Als Wetterzeichen sind Schönwetterwolken sehr aufschlussreich.
Wetterregel Schönwetterwolken Schäfchenwolken
Foto: Servus Verlag
Schäfchenwolken über dem Altausseer See im steirischen Salzkammergut

Von der Schönwetterwolke zum Gewitter?

Jedes schwere Gewitter fängt als vermeintliche Schönwetterwolke an, die dann zum Wolkenturm hochschießt. Aber wann wachsen solche kleine Haufenwolken weiter und wann bleiben sie Schönwetterwolken?

Wolken brauchen zwei Dinge, um nach oben zu wachsen: Feuchtigkeit und Auftrieb.

  • Auftrieb: Die Luft um die Wolke herum muss kalt sein, damit die Wolkenblase wie ein Ballon nach oben steigt.
  • Feuchtigkeit: Kondensiert dazu noch Wasserdampf zu Wolkentröpfchen, wird Wärme frei und die Wolkenblase beschleunigt nach oben, als hätte man den Gasbrenner in einem Heißluftballon aufgedreht.

Ist die Luft um die Wolke herum nun warm und trocken, kann die Schönwetterwolke nicht weiterwachsen – und es bleibt „schön“.

Wetterregel Schönwetterwolken
Vermeintlichen Schönwetterwolken können unter gewissen Umständen zu Wolkentürmen anwachsen

Hochdruckwetter: Es bleibt „schön“

Beide Voraussetzungen – wenig Feuchtigkeit und wenig Auftrieb – findet man bei Hochdruckwetter. Die Luft im Hoch sinkt ab und ist dadurch trocken und warm.

Wolken, die typischerweise ab Mittag entstehen, können also kaum weiterwachsen. Solche kleine Haufenwolken, die das bleiben, was sie sind, mit tiefer Wolkenbasis unter 2.000 Meter, sind also gute Indikatoren für sonniges Hochdruckwetter und damit „Schönwetterwolken“.

Thermik-Indikator für Flugsportler

Besonders wichtig sind Schönwetterwolken für Flugsportler. Wenn sie über einem Kar oder über einem Waldstück stehen, markieren sie den gesuchten Aufwindschlauch. Paragleiter und andere brauchen ihn, um sich im Aufwind in die Höhe zu schrauben.

Im Gebirge kann man so mithilfe der Schönwetterwolken – trotz großräumigem Hochdruckwetter, in dem die Luft sonst absinkt – einen Nachmittag in der Luft verbringen.

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Das große kleine Buch: 20 Wetterregeln, die man kennen muss
Servus Buchverlag
Autor: Andreas Jäger
Fotograf: Herbert Raffalt
ISBN: 978-3710400292

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