Der Föhn

Wetterregel: Föhn – Das Wetter hält noch

Wetter • 1. April 2016
von Andreas Jäger

Meteorologe Andreas Jäger geht populären Wetterregeln nach und prüft sie auf ihren Wahrheitsgehalt. Dieses Mal beschäftigt er sich mit einem der wichtigsten Wetterphänomene in den Alpen – dem Föhn.

Föhnmauer am Tauernfenster zwischen Radstädter und Schladminger Tauern bei Südföhn
Foto: Herbert Raffalt
Föhnmauer zwischen Radstädter und Schladminger Tauern

Föhnfische sind eines der wichtigsten Wetterzeichen in den Alpen. Die linsenförmigen Wolken sind leicht zu erkennen und werden von starkem Föhn in diese Form geschliffen. Ihre Botschaft ist einfach: Solange sie am Himmel stehen, wird es meist nicht vor dem Abend regnen!
 
Allerdings muss man auf den Wind achten. Herbert Raffalt: „Bei Föhn plane ich keine Tour direkt am Alpenhauptkamm, dort ist es stürmisch und oft sehr kalt. Viel angenehmer ist es, weiter nördlich im Föhnschatten zu wandern, wo es wärmer ist.“
 

Föhnfenster versus Wolkenstau

Föhn ist ein Wolkenfresser, aber sein Gegenpart hinter dem Berg ist ein Regenmacher. Man muss sich das so vorstellen: Trifft starker Wind auf ein Bergmassiv, wird er zuerst nach oben abgelenkt, es bilden sich Wolken und Regen. Hinter dem Berg dagegen weht der Wind den Hang hinunter und dabei wird er warm und trocken – das ist der Föhn. Das bedeutet, an der windzugewandten Luv-Seite eines Gebirges entstehen Wolken – die Meteorologen sprechen von einem „Wolkenstau“ oder „Stauwetter“. An der windabgewandten Lee-Seite trocknet der Föhn die Wolken ab und „frisst“ eine Lücke in die Wolkendecke, das „Föhnfenster“.
 

Föhnzusammenbruch

Eines darf man bei einer Wanderung unter Föhnhimmel allerdings nicht übersehen – den „Föhnzusammenbruch“: die meist
massive Wetterverschlechterung mit Regen und Kälte, sobald der Föhn vorbei ist. Dieser Moment ist nicht leicht vorhersehbar. Oft hält der Föhn die Regenwolken noch lange in Schach und schleift sie linsenförmig. Wenn aber die Wolken zusehends dunkler und schwerer werden, bricht der Föhn vor allem gegen Abend zusammen und das Wetter kippt.

Föhnsturm am Dachstein
Foto: Herbert Raffalt
Föhnsturm am Gletscher des Dachstein

Föhn im Tal: Der Kaltluftsee stört

Föhn auf den Bergen ist leicht zu erkennen. Aber: Kommt er auch in die Niederungen? Und wann? Dazu muss man wissen, dass Föhn umso leichter in die Täler sinkt, desto wärmer es im Tal ist. Oft liegt aber in der Früh ein See aus kalter Luft im Tal, der es dem Föhn schwermacht. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten für den Föhn, den „Kaltluftsee“ loszuwerden.
 

Föhndurchbruch

Erstens, der Kaltluftsee verschwindet, weil die Sonne ihn erwärmt. In diesem Fall „bricht“ der Föhn meistens am Nachmittag durch. Oder, zweitens, der Föhn drückt die kalte Luft mit Gewalt von oben weg. Da spürt man in der Föhnhochburg Innsbruck vor dem Föhn einen kalten „vorföhnigen Wind“ aus westlicher Richtung.

Sobald es schlagartig warm und trocken wird und der Wind von West auf Süd springt und böiger bläst – ist der Föhn „durchgebrochen“. Dieser Windsprung von vorföhnigem Wind auf Föhn ist überall anders. In nach Norden offenen Tälern wie zum Beispiel dem Rheintal weht der Wind vor Föhndurchbruch unangenehm kalt aus Nord, ehe er auf Süd springt und zum böigen Föhn wird.
 

Die Föhnmauer

Manchmal ist bei Föhn auch sehr gut eine „Föhnmauer“ erkennbar: eine Wolke, die sich wie eine Haube über den Berggipfel wölbt. Sie ist der Rand der Staubewölkung von der anderen Seite des Berges und kündet vom Regenwetter hinter dem Berggipfel.
Bei starkem Föhn spürt man in der Sonne manchmal vereinzelte Regentropfen im Gesicht, die der peitschende Wind von der Regenseite auf die Sonnenseite getragen hat. Bei uns meistens von Süden nach Norden, da der Föhn in den Alpen vorwiegend aus Süden bläst.

Aufbau des Alpen-Wetters unter Föhneinfluss
Grafik: Aufbau des Alpenwetters unter Einfluss des Föhns

Der typische Wetterablauf

Der in den Alpen typische Ablauf von Föhndurchbruch – Föhn – Föhnzusammenbruch hängt mit dem vorherrschenden Westwetter zusammen. Tiefdruckgebiete kommen normalerweise über den Atlantik von Westen auf die Alpen zu und überqueren diese.

Solange der Kern des Schlechtwettertiefs westlich der Alpen ist, trifft der Wind aus Süden auf die Alpen und es weht Südföhn. Das Wetter im Süden ist dann schlecht, an der Alpennordseite ist aber noch das sonnige Föhnfenster geöffnet. Sobald der Tiefdruckkern aber über den Alpen zu liegen kommt, dreht die Strömung auf Nordwest, das Föhnfenster schließt sich und es wird auch im Norden feucht und kühl – der Föhn ist zusammengebrochen.

Buch: 20 Wetterregeln, die man kennen muss
Foto: Servus Buchverlag
Buchtipp: 20 Wetterregeln, die man kennen muss (Servus Buchverlag)

Das große kleine Buch: 20 Wetterregeln, die man kennen muss
Servus Buchverlag
Autor: Andreas Jäger
Fotograf: Herbert Raffalt
ISBN: 978-3710400292

Wolkenhut
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