Zwei Mountainbiker in den Bergen von Südtirol

6 Dinge, die du dir von Südtirol nicht erwartet hättest

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4 Min.
29.05.2026

Foto: Kirsten Sörries

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Du glaubst, Südtirol längst zu kennen? Weil du schon alles über das kleine, vielfältige „Landl“ gelesen, gehört und gesehen hast? Nicht ganz. Hier kommen sechs Fakten, die selbst eingefleischte Südtirol-Fans überraschen dürften – es sein denn, du warst schon einmal mit dem Bike hier unterwegs.

1. Ein Hotelier als Trail-Bauer

Boris Frei ist Mitte 40, Vater von zwei Kindern – und hat aus einem unscheinbaren Hotel im Meraner Land in den vergangenen Jahren ein stilvolles Designhotel gemacht: das Design Hotel Tyrol. Ein Refugium mit Badehaus, fünf Pools, Cocktailbar, Suiten mit Sichtbeton und einer Bike-Garage, das wohl seinesgleichen sucht.

„Wir sind seit mehr als 15 Jahren Mitglied bei den BikeHotels Südtirol. Für uns ist das weit mehr als eine Marketingmaßnahme. Ich selbst brenne fürs Biken und habe den Anspruch, das beste BikeHotel zu sein“, sagt Boris.

Denn ein guter Bikeurlaub endet nicht an der Hoteltür – dort beginnt er erst. Mit Touren, die in Erinnerung bleiben. Gemeinsam mit den italienischen Trailbau-Profis von Velosolutions, dem Tourismusverein und weiteren Partnern hat Boris deshalb einen alten, ausgewaschenen Wanderweg direkt vor der Haustür in einen flowigen Traumtrail verwandelt.

„Ein Teilabschnitt des Trails trägt den Namen meiner Tochter Milla. Ich bin überaus stolz auf das, was wir erreicht haben. Endlich kann ich mit meinen Gästen eine Tour fahren, die sie nicht überfordert und ihnen ein Stück Gegenwartsgeschichte erzählt."

Wer möchte, kann mit Boris und dem Wegewart übrigens selbst am Trail Hand anlegen und bei der Instandhaltung helfen.

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2. Kurt: Koch, Gemüsebauer und Gärtner in Personalunion

Wenn es im Mai noch einmal bis ins Tal schneit, sind die meisten in Südtirol mäßig begeistert. Außer Kurt Resch. Dann beginnen seine Augen zu leuchten. Der Chef des Bio- & BikeHotels Steineggerhof organisiert alles so, dass er tags darauf frei hat – um auf der Marmolada Powder zu fahren.

Pünktlich zu Mittag steht er wieder in der Küche, schaut nach dem Rechten und kümmert sich anschließend um den Garten. Wobei: „Garten“ trifft es nicht ganz. Denn hinter dem Steineggerhof wächst ein Permakulturgarten, in dem experimentiert, gepflanzt und geerntet wird, was später auf den Tellern landet.

„Wir sind seit 2018 Mitglied bei den Biohotels und beziehen unsere Produkte ausschließlich aus unserem Garten und von Biobauern. Unsere Küche ist vegan und vegetarisch. Fleisch kann auf Wunsch zur Hauptspeise bestellt werden und stammt vom Biohof unserer Tochter Natalie."

Was zunächst nach Verzicht klingt, entpuppt sich als überraschend kreative Küche, die mit klassischen Südtirol-Klischees wenig zu tun hat. Und die dem Hotel nicht nur neue Gäste bringt, sondern auch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

„Andere Hotels tun sich schwer mit der Mitarbeitersuche, wir überhaupt nicht: Gerade junge Leute überzeugt unser Konzept", so Kurt.

3. Bike & Work(ation)

Wer im Büro arbeitet, kennt dieses Gefühl: stundenlang allein vor dem Bildschirm sitzen. Genau so ging es auch Boris Frei. Also verlegte er seinen Arbeitsplatz kurzerhand aus dem kleinen Büro hinter der Rezeption in den offenen Workspace des neuen Mitarbeiterhauses.

„Die offene Atmosphäre, der Austausch mit den Leuten, die Tür-und-Angel-Gespräche sind fast schon wie eine Therapie: Langweilige Büroarbeit wird so viel angenehmer zu erledigen, und ich freue mich morgens auf sie."

Der Workspace steht nicht nur dem Team offen, sondern auch Freelancern und Gästen. Überhaupt scheint das ganze Hotel darauf ausgelegt zu sein, Arbeit und Urlaub entspannt miteinander zu verbinden: ruhige Ecken, gutes WLAN und genug Platz, um zwischendurch den Laptop aufzuklappen – bevor es wieder aufs Bike geht.

4. Graveln mit Aussicht auf Genuss

Schon einmal von Genuss-Gravelern gehört? Gemeint sind Menschen, die mit dem Gravelbike weniger das Extreme suchen als das Erlebnis: mehrere Tage unterwegs sein, von einem Basecamp aus starten, schöne Wege entdecken, gut essen, gut schlafen.

Genau dafür gibt es die BikeHotels Südtirol. Häuser, die verstehen, dass eine gute Graveltour nicht über Hauptstraßen führt und die Touren zusammenstellen, die Lust auf den nächsten Tag machen. Und nach der Ausfahrt für die Regeneration mit außergewöhnlicher Küche, Sauna, Pool oder Massage sorgen.

Der Begriff „Genuss-Graveler“ stammt übrigens von Jasmin Franceschini, einer aus Südtirol stammenden Wahl-Innsbruckerin. Mit ihrer Plattform The Wild Escape mischt sie derzeit die Female-Gravel-Szene auf – und hat zuletzt auch die BikeHoteliers Südtirol auf den neuesten Stand gebracht.

5. BikeHotel ist nicht gleich BikeHotel

Bikefreundliche Unterkünfte gibt es viele. Die BikeHotels Südtirol verstehen sich jedoch seit fast 30 Jahren als die Referenz für echten Bikeurlaub im Land.

Alle Häuser erfüllen strenge Qualitätskriterien, viele davon überschneiden sich mit den Standards des ADFC-Labels „Bett+Bike“ beziehungsweise „Bett+Bike Sport“. Der Unterschied liegt allerdings woanders.

„Nun, erstens sind alle unsere Gastgeber selbst geprüfte Bike-Guides, das heißt, sie wissen, wie der Hase läuft. Zweitens hört ein BikeHotel nicht bei der Luftpumpe, der Bike-Garage und ein paar Tourenvorschlägen des örtlichen Tourismusvereins auf. Im Gegenteil: Genau hier fängt BikeHotels erst an. Bike-Urlaub in den BikeHotels Südtirol fühlt sich echt an und kompetent, es fühlt sich sicher und ein wenig wie Heimkommen an. Man urlaubt mit Menschen, die ähnlich ticken wie man selbst, man wird ernst genommen, wenn man im Tretlager etwas Knarzen hört und die Bremse schleift. Man wird individuell beraten und in Kleingruppen geguided. Man ist am Ende des Tages sicher: Hierher komme ich wieder”, erklärt Kurt vom Steineggerhof, der auch Präsident bei den BikeHotels Südtirol ist.

6. Die Sprache

Aui, oi, ummi, oni, ai, ente, sem, zem, sellina, settiga, tui, tant i, tatt i, tasche, taschemo, secco, madai oder mawala: Wenn Südtiroler Bike-Guides loslegen, klingt das für Außenstehende manchmal wie eine völlig eigene Sprache.

Und tatsächlich liegen sie damit gar nicht so falsch. Denn der Südtiroler Dialekt hat über Jahrzehnte zahlreiche italienische Begriffe aufgenommen – oft so eigenwillig, dass sie selbst Italienerinnen und Italiener nicht verstehen würden.

Hier geht man nicht zum Installateur, sondern zum Hydrauliker. Man wohnt im Kondominium statt im Mehrfamilienhaus, organisiert sich übers Consorzio und fährt mit einer Targa am Auto herum.

Dialekt ist in Südtirol Identität. Und von Tal zu Tal oft so unterschiedlich, dass sich selbst Südtiroler untereinander manchmal schwertun. Für Gäste auf dem Bike ist das allerdings kein Problem: Ein Lächeln und ein „Passt!“ funktionieren überall.

Rauf aufs Rad nach Südtirol

Südtirol ist klein genug, um vertraut zu wirken – und groß genug, um einen immer wieder zu überraschen. Ein Hotelier, der Trails baut. Ein Koch, der seinen Garten pflegt wie andere ihren Weinkeller. Eine Sprache, die selbst Einheimische manchmal rätseln lässt.

Das sind keine skurrilen Randgeschichten. Das ist der eigentliche Charakter dieses Landes. Und entdecken lässt er sich am besten vom Sattel aus – gemeinsam mit Menschen, die wissen, wo es langgeht.

Bio- und BikeHotel Steineggerhof
Bühlweg 14
39053 Steinegg 
+39 0471 376 573
info@steineggerhof.com
https://www.steineggerhof.com

Design Hotel Tyrol
Hans-Guet-Straße 40
39020 Rabland 
+39 0473 967 654
info@tyrol-hotel.it
www.tyrol-hotel.it