
Natura.Kreativ Altenmarkt: Mein Zauchenseer Totem
Foto: Martin Foszczynski
von Martin Foszczynski
Die anfänglichen Zweifel schmolzen so schnell dahin, wie der Morgennebel von den grünen Bergwipfeln gegenüber meinem Balkon im Hotel Barbarahof. Ein Ausblick wie aus dem Bilderbuch. Auch im Ort keine Spur von Après-Ski-Halli-Galli. Auf dem Weg zum Kurs plätschert ein glasklares Bächlein neben mir her, terrassenartige Holzbänke laden da und dort zum Sonnenbaden ein. Ich fühle mich auf Anhieb wohl, eine angenehme Ruhe macht sich in mir breit.

Alles halb so wild. Die große, lichtdurchflutete Halle schafft eine entspannte Atmosphäre. Im hinteren Bereich findet sich sogar ein Plätzchen, wo ich mich fast unbeobachtet im Acryl-Malen versuchen kann. Karin, die Kursleiterin, geht mir ab und zu mit kleinen Tipps zur Hand. Fast mühelos entsteht mein erstes Bild. Was als hübsche Felsenbucht geplant war, wird ein Stück rostige, kohlrabenschwarz verbrannte Stahlwand. Neben Elenas gelbem Blumenstrauß und Angelikas farbenfroher Lebensspirale sieht das ein klein wenig duster aus. Ich aber bin völlig zufrieden, meine kreative Ader ist geweckt.
Zwei Hörner müssen her! Ich finde in der Wühlkiste zwei glatte Tropenhölzer, die auf fast wundersame Weise in die natürlichen Einbuchtungen meines Stierschädels passen – es reicht, sie mit dem Stemmeisen ein wenig zu vertiefen. Walter rührt unterdessen einen speziellen Zwei-Phasen-Kleber an, der bis zu 200 kg Gewicht standhält. Sicher ist sicher.
Als nächstes suchen wir einen passenden Steinsockel und ein Metallrohr aus. Das mit 6 Millimeter Durchmesser lässt meinen Stier schwanken, als käme er geradewegs aus dem Metzgerloch (Altenmarkts berühmteste Absacker-Bar). Das 8-Millimeter-Rohr hingegen passt. Ich halte noch nach ein paar knochigen Elementen Ausschau, die meinem Stier einen gruseligen Anstrich geben. Schließlich soll er auf seine Betrachter mächtig Eindruck schinden – eine Art Zauchenseer Totem. Eine große Muschel bietet sich als Halswirbel an. Noch niemals gelang es Walter ein Loch durch harte Muschelschale zu bohren, ohne dass sie zerspringt – dieses Mal klappt’s!
Ich beschließe spontan, mein Werk der Marktgemeinde Altenmarkt zu schenken. Zugegeben: Edle Wohltäter-Absichten allein sind es nicht, die mich zu diesem Entschluss bewegen. In meinem Kofferraum liegt schon das Rennrad (mit dem ich mich übrigens die unglaublich steilen 8 Kilometer nach Zauchensee hinaufgequält habe!). Außerdem weiß ich wirklich nicht, wo ich das seltsame Ding zuhause aufstellen soll.
Und überhaupt: Irgendwie gehört er schon hierher, der Stier. Zu den Kühen, Almen und Bergbächen. Es ist schön, sich von einem Ort etwas zu nehmen und ihm gleichzeitig etwas zurückzugeben. Genommen habe ich mir in Altenmarkt nicht nur das Material für meine erste Skulptur, sondern auch die Einsicht, dass zwei Tage inmitten der Natur den Kopf ganz schön durchlüften und ungeahnte Kreativität fördern.
Vom Gesang und Haareflechten über Aktmalen auf der Alm und Brotbacken bis zur digitalen Fotografie – hier geht es zum











