
Dem Himmel so nah: 7 Gipfelwanderungen im Trentino, die das Herz höherschlagen lassen
Foto: APT Fiemme Cembra / M. Rizzi
Stolz fällt der Blick zurück ins Tal, schweift über die Berge am Horizont, und plötzlich stellt sich ein Gefühl der Ruhe und Freiheit ein. Im Trentino wartet das Gipfelglück auf ganz unterschiedlichen Wegen – hoch über dem Gardasee, in den Dolomiten und auf den wilden Kämmen der Lagorai. Auf diesen sieben Gipfelwanderungen in Norditalien sind Glücksgefühle garantiert.
Inhalt
1. Die Königin im Blick: Col dei Rossi in der Marmolata-Gruppe
2. Das steinerne Labyrinth: Cima Cavignon im Latemar
3. Der Logenplatz der Denker: Monte Castellazzo in den Pale di San Martino
4. Aussichtsbalkon über dem Abgrund: Cima Sophia in den Brenta-Dolomiten
5. Das Fjord-Panorama: Monte Altissimo in den Gardasee-Bergen
6. Die Wildnis aus Porphyr: Monte Cauriol in der Lagorai-Kette
7. Die Bergtour der Giganten: Monte Vioz in der Ortler-Gruppe
Wer im Trentino die Gipfel stürmt, wandert durch eine Region voller Kontraste. Während im Norden Berge aus Schnee und Eis die Dreitausendermarke knacken, glänzt der Süden mit spektakulären Tiefblicken auf den Gardasee im mediterranen Windschatten. Jede Bergkette erzählt hier ihre eigene Geschichte – vom versteinerten Korallenriff bis zu den geschichtsträchtigen Pfaden des Ersten Weltkriegs. Dank perfekt markierter Wanderwege und einem dichten Netz an Schutzhütten wird der Weg nach oben zum unvergesslichen Abenteuer. Auf diesen sieben Traumtouren im Trentino findet man mit Sicherheit sein Gipfelglück.
1. Die Königin im Blick: Col dei Rossi in der Marmolata-Gruppe
Canazei /Val di Fassa

Dank Liftunterstützung serviert einem die Wanderung über den Col dei Rossi (2.383 m) das Postkartenpanorama der Dolomiten auf dem Silbertablett. Von der Bergstation wandert man auf einem aussichtsreichen Höhenweg, bei dem die eisgepanzerte Nordwand der Marmolata – der Königin der Dolomiten – ein ständiger Begleiter ist. Auch der Tiefblick ins weite Fassatal, auf den Lago di Fedaia und das gegenüberliegende Sella-Massiv macht jeden Schritt dieser Panoramatour zum Hingucker. Ideal für alle, die eine landschaftlich großartige, technisch aber vergleichsweise leichte Gipfelwanderung anstreben.
Die Wanderung über den Col dei Rossi im Überblick:
Strecke: 13,5 Kilometer
Aufstieg: 168 Höhenmeter
Dauer: 5,5 Stunden
Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober
Highlights: Atemberaubende Ausblicke auf Marmolata-Gletscher und Sella-Massiv, Einkehrmöglichkeit im Rifugio Viel dal Pan und Abkühlung im Lago di Fedaia
Tipp: Ambitionierte Gipfelsammler wechseln nach dem Rifugio Fredarola auf den Weg 636 und wandert über Col de Cuc (2.563 m), Sas da Ciapel (2.521 m), Col de Pausa (2.414 m) und Belvedere (2.646 m).
2. Das steinerne Labyrinth: Cima Cavignon im Latemar
Predazzo / Val di Fiemme

Die mittelschwere Wanderung auf die Cima Cavignon (2.671 m) führt mitten hinein in die bizarre Felswelt des Latemar. Zwischen schroffen Zacken, hohen Felstürmen und Geröllfeldern thront das Rifugio Torre di Pisa auf dem aussichtsreichen Gipfel wie ein Adlerhorst. Der finale Anstieg ist steinig und verlangt etwas Trittsicherheit. Dafür belohnt der Gipfel mit einem weiten Rundblick über das Val di Fiemme, die südlichen Dolomiten und die charakteristischen Felsformationen des Latemar.
Die Wanderung zur Cima Cavignon im Überblick:
Strecke: 9 Kilometer
Aufstieg: 800 Höhenmeter
Dauer: 5 Stunden
Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober
Highlights: Bizarre Felswelt des Latemar, Felsnadel „Torre di Pisa“, Einkehrmöglichkeiten im Rifugio Torre di Pisa, der Baita Passo Feudo oder der Mayerlalm
Tipp: Der beste Fotospot, um den berühmten Turm von Pisa abzulichten, ist das kleine Plateau hinter dem Rifugio Torre di Pisa.
3. Der Logenplatz der Denker: Monte Castellazzo in den Pale di San Martino
Passo Rolle / San Martino di Castrozza

Die Wanderung auf den Monte Castellazzo (2.333 m) – auch Christus Besinnungspfad genannt – verbindet Dolomitenpanorama, Geschichte und stille Einkehr. Auf dem aussichtsreichen Gipfel steht die Statue des „Denkenden Christus“ aus weißem Marmor; seine Dornenkrone besteht aus Stacheldraht aus dem Ersten Weltkrieg. Schon beim Aufstieg entlang alter Schützengräben öffnen sich tolle Blicke auf die mächtigen Felswände der Pale di San Martino und den berühmten Cimon della Pala. Besonders im warmen Nachmittagslicht gehört diese Wanderung zu den stimmungsvollsten Gipfeltouren rund um den Passo Rolle.
Die Wanderung zum Monte Castellazzo im Überblick:
Strecke: 9,2 Kilometer
Aufstieg: 428 Höhenmeter
Dauer: 3 Stunden
Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober
Highlights: Die weiße Marmorstatue des „Denkenden Christus“ und der freie Blick auf den weithin bekannten Cimon della Pala, Relikte aus dem Ersten Weltkrieg, Einkehrmöglichkeiten im Rifugio Campanna Cervino und der Baita Segantini
Tipp: Ein Fotostopp an der Baita Segantini lohnt sich: Bei ruhigem Wetter spiegeln sich in dem kleinen Teich vor der Hütte die Gipfel der Pale di San Martino.
4. Aussichtsbalkon über dem Abgrund: Cima Sophia in den Brenta-Dolomiten
Molveno / Altipiano della Paganella

Wer alpinen Nervenkitzel sucht, ohne sich in einen Klettersteig wagen zu müssen, der wird auf der mittelschweren Wanderung zur Cima Sophia (2.360 m) fündig. Als stolzer Nebengipfel des legendären Croz dell'Altissimo bietet diese Felsschulter einen fast schwindelerregenden Tiefblick: Fast 1.000 Meter fällt die Wand hier oben senkrecht ins Valle delle Seghe ab. Der Aufstieg über die Hochebene von Pradel erfordert etwas Kondition, belohnt aber mit alpiner Einsamkeit und schönen Ausblicken auf den türkisblauen Molvenosee und die gewaltigen Zentralwände der Brenta-Dolomiten.
Die Wanderung auf die Cima Sophia im Überblick:
Strecke: 3,7 Kilometer
Aufstieg: 794 Höhenmeter
Dauer: 3 Stunden
Beste Jahreszeit: Mai bis Oktober
Highlights: Tiefblick auf Molvenosee und Valle delle Seghe, Panoramablicke auf Brenta-Dolomiten mit Campanile Basso
Tipp: Nach der Tour lohnt sich eine Einkehr im Rifugio La Montanara: Bei traditionellen Trentiner Spezialitäten lässt sich hier neue Kraft tanken – mit Blick auf die Brenta.
5. Das Fjord-Panorama: Monte Altissimo in den Gardasee-Bergen
Nago / Garda Trentino

Auf der Wanderung von Nago zum Monte Altissimo (2.078 m) trifft alpines Gelände auf mediterranes Lebensgefühl. Die mittelschwere Tour zum bekanntesten Aussichtsgipfel über dem nördlichen Gardasee ist technisch unkompliziert, bietet aber ein Panorama, das zu den eindrucksvollsten im Trentino gehört. Schon beim Aufstieg öffnen sich immer wieder spektakuläre Tiefblicke auf den tiefblauen Gardasee. Die Artenvielfalt am Wegesrand ist beeindruckend und man findet immer wieder Relikte aus dem Ersten Weltkrieg.
Die Wanderung zum Monte Altissimo di Nago im Überblick:
Strecke: 8,6 Kilometer
Aufstieg: 761 Höhenmeter
Dauer: 4 Stunden
Beste Jahreszeit: April bis Oktober
Highlights: Spektakuläre Tiefblicke auf den Gardasee, Artenvielfalt im Parco Naturale Locale del Monte Baldo, Relikte aus dem ersten Weltkrieg und erstklassige Einkehr im Rifugio Altissimo Damiano Chiesa
Tipp: Einkehren und auftanken – das Rifugio Altissimo Damiano Chiesa ist bekannt für seine erstklassige Trentiner Küche.
6. Die Wildnis aus Porphyr: Monte Cauriol in der Lagorai-Kette
Ziano di Fiemme / Lagorai

Eine Gipfelwanderung auf den Monte Cauriol (2.493 m) zeigt das Trentino von seiner stillen Seite. Statt heller Dolomitenwände prägen hier rotes Porphyrgestein, einsame Täler und lange Gebirgskämme das Landschaftsbild. Der Aufstieg über die historische Via Italiana führt an Spuren des Gebirgskriegs vorbei. Am Gipfel öffnet sich ein weiter Blick über ein dunkles Meer aus Bergen. Die anspruchsvolle Tour ist lang und verlangt Ausdauer, belohnt aber mit Ruhe, Weitblick und einem besonders einsamen Bergerlebnis.
Die Wanderung zum Monte Cauriol im Überblick:
Strecke: 14,5 Kilometer
Aufstieg: 990 Höhenmeter
Dauer: 6 Stunden
Beste Jahreszeit: Juli bis Oktober
Highlights: Einsame Wildnis des Porphyr-Gebirges, Kriegsmuseum
Tipp: Nach der Wanderung lohnt ein Besuch im kleinen Kriegsmuseum in der Schutzhütte Cauriol. Hier finden sich zahlreiche Fundstücke aus der Zeit des Gebirgskriegs von 1915–1918.
7. Die Bergtour der Giganten: Monte Vioz in der Ortler-Gruppe
Peio Fonti / Val di Sole

Für alle, die ganz hoch hinaus wollen: Der Monte Vioz (3.645 m) im Nationalpark Stilfserjoch ist der höchste Gipfel im Trentino, der ohne Gletscherausrüstung erreicht werden kann. Wie eine Burg thront der wuchtige Berg über dem Val di Peio, dazwischen liegen 2.500 Höhenmeter. Dank Liftunterstützung lässt sich ein Teil davon bequem überwinden, bevor der Anstieg durch steiles und zum Teil seilversichertes Gelände beginnt. Knapp unterhalb des Gipfels erwartet das Rifugio Mantova al Vioz auf potenzielle Gipfelstürmer. Vom Gipfel reicht der Blick über die Ortler-Gruppe, die Adamello-Presanella-Gruppe und die Brenta-Dolomiten.
Die Wanderung zum Monte Vioz im Überblick:
Strecke: 11,5 Kilometer
Aufstieg: 1.319 Höhenmeter
Dauer: 5,5 Stunden
Beste Jahreszeit: Juni bis September
Highlights: Das Knacken der 3.600-Meter-Marke ohne Gletscherausrüstung und der Blick auf die Eisriesen des Ortler-Massivs
Tipp: Nur bei stabilem Wetter und möglichst früh starten. Die Tour verlangt gutes Schuhwerk, Kondition und alpine Erfahrung. Auch im Hochsommer können in dieser Höhe Schneefelder liegen. Durch eine Hüttenübernachtung kann die konditionelle Anforderung leicht entschärft werden.
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