#hochhinaus2018-Blog

Dolomiten: Berge, die verbinden

Blog • 24. September 2018

In sieben Tagen durch die herrlichsten Berglandschaften der Dolomiten: An die Grenzen gehen – und sie als Brücken sehen. Sarah Koller, die Gewinnerin des #hochhinaus2018-Wettbewerbs von Bergwelten und Gigasport, erkundete im Rahmen ihres Bergprojekts 2018 die Südtiroler Wurzeln ihres Opas. Uns schildert sie ihre Erlebnisse.

Dolomiten Sarah Koller
Foto: Sarah Koller
Sarah Koller hat beim #hochhinaus2018-Wettbewerb von Bergwelten und Gigasport gewonnen und erkundete die Dolomiten

Die Liebe zu den Bergen wurde meinem Opa in die Wiege gelegt. Als Südtiroler waren die Berge seine Heimat, seine ganze Leidenschaft. Das Hitler-Mussolini-Abkommen zur Umsiedlung deutschsprachiger Südtiroler zwang seine Familie allerdings während des Zweiten Weltkriegs dazu, seine Heimat zu verlassen und ins heutige Oberösterreich abzuwandern. Dort lernte er später meine Oma kennen. Regelmäßige Südtirol-Besuche waren aber Pflicht. Die Berge dort kannte mein Opa wie seine eigene Westentasche und mit großer Begeisterung zeigte er uns „sein“ Südtirol. Selbst nachdem mein Opa im höheren Alter an Parkinson erkrankt ist, ließ er es sich nicht nehmen, die Nähe der Südtiroler Berge zu suchen

Sarah Koller Familie
Foto: Sarah Koller
Ich als kleines Mädchen mit meiner Familie in Südtirol – links mein Opa

Jahre später, im Sommer 2018, hatte ich dann ein ganz besonderes Vorhaben. Ich wollte die Lieblingsberge meines mittlerweile verstorbenen Opas erstmals mit Erwachsenenaugen neu entdecken und die Anziehungskraft, die sie auf ihn hatten, am eigenen Leib spüren. Die Zutaten für mein Bergprojekt: eine ebenfalls bergverrückte Freundin, ein 32L-Rucksack mit dem Allernötigsten an Bergsportausrüstung und eine Woche Zeit. Bei unseren Vorbereitungen beschränkten wir uns auf das Hochpustertal und das Grödnertal. Mit welchen Erinnerungen und Begegnungen im Gepäck wir nach unserer Woche in Südtirol heimkehren würden, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen.

Tag 1

Am ersten Tag meines Bergprojekts stand erst mal eine 4,5 Stunden lange Anreise nach Sexten an. Aus dem eigentlich geplanten „gemütlichen Ankommen“ wurde bereits am ersten Tag eine mehrstündige Bergtour, nachdem uns das Hochpustertal mit Sonnenschein und leuchtenden Berggipfeln begrüßte. Wir entschieden uns, spontan Richtung Passo Tre Croci zu fahren und zu einem der aktuell meist fotografierten Seen Südtirols hochzuwandern – dem Lago di Sorapiss. Nach nur kurzer Zeit erreichten wir über teilweise exponierte Passagen den milchig-türkisgrünen, auf 1.923 Meter liegenden See. Er war, wie erwartet, umringt von zahlreichen Menschen. Ich verfluchte Instagram.

Lago di Sorapiss
Foto: Sarah Koller
Nicht umsonst einer der meist fotografierten Seen Südtirols – der Lago di Sorapiss

Nach einer kurzen Rast, entschieden wir uns, nicht über denselben Weg mit den Menschenmassen abzusteigen, sondern über die Forcella Marcoira (2.307 m) zu wandern. Dieser Rundweg war menschenleer und mit einem imposanten Blick auf die umliegende Bergwelt zeigten sich die Dolomiten nun von ihrer eindrucksvollsten Seite. Hier hätte ich Stunden sitzen können. Ich war angekommen.

Die Nacht verbrachten wir in der wunderschönen Talschlusshütte im Fischleintal in Sexten, die der perfekte Ausgangspunkt für unser nächstes Ziel war.

Tag 2

Früh morgens verabschiedeten wir uns von Zivilisation und Handyempfang und machten uns auf in Richtung Drei Zinnen Hütte. Ich hievte meinen Rucksack auf die Schultern. Verdammt, war der schwer! Von nun an hieß es also: Sarah gegen Rucksack! Nach ein paar hundert Höhenmetern, als sich der dichte Frühnebel lichtete und sich erstmals die steilen Felswände rund um uns herum zu erkennen gaben, trug sich dieser allerdings wie von selbst.

Drei Zinnen
Foto: Sarah Koller
Die berühmten Drei Zinnen immer im Blick ging es in Richtung Drei Zinnen Hütte

Angekommen auf der Drei Zinnen Hütte, auf der wir später die Nacht verbrachten, ließen wir unnötiges Gepäck zurück und stiegen in den Leiternsteig (B/C) zum Toblinger Knoten ein. Dieser war im Ersten Weltkrieg ein umkämpfter, strategisch wichtiger Punkt. Teile der alten Wehr- und Steiganlage sind noch sichtbar. Heute führen 17 Leitern meist direkt in einem Kamin durch die nahezu senkrechte Nordflanke des Toblinger Knotens (2.617 m). Die Aussicht vom Gipfel auf die gegenüberliegenden Drei Zinnen hatten wir für uns alleine. Majestätisch und anmutig ragten sie in den Himmel. Ein Gänsehautmoment.

Tag 3

Nachdem mir um 5 Uhr morgens mein asiatischer Bettnachbar im Schlaflager der Drei Zinnen Hütte mit seiner Stirnlampe direkt ins Gesicht geleuchtet hatte – derselbe, der am Vortag versuchte mit amerikanischen Dollar seine Rechnung zu bezahlen – endete die Nacht sehr früh. Also brachen wir bald auf in Richtung Innerkofler-Klettersteig, der uns durch dunkle Kriegsstollen hoch zum Paternkofel führte.

Innerkofler Klettersteig
Foto: Sarah Koller
Über den Innerkofler Klettersteig auf den Paternkofel

Nach dem Abstieg zur Lavaredo Hütte umrundeten wir die Drei Zinnen und kehrten zum Ausgangspunkt, der Drei Zinnen Hütte, zurück. Unser Tagesziel lautete aber Büllelejochhütte. Mit schweren Beinen trafen wir dort, wenige Minuten bevor dunkle Regenwolken die Hütte umhüllten, ein. Die Büllelejochhütte, gleichzeitig die kleinste und am höchsten gelegene Schutzhütte in der Sextner Dolomiten, verzauberte uns sofort. An diesem gemütlichen Hüttenabend merkte ich erst, wie zufrieden und entspannt ich war und wie lange ich schon nicht mehr an mein Leben unten im Tal gedacht hatte. Okay, eventuell hat der Schwarzbeerschnaps auch einen kleinen Beitrag dazu geleistet.

Tag 4

An diesem Tag würde ich Blut schwitzen. Über den Alpinisteig ging es an Tag 4 ab der Büllelejochhütte zurück ins Fischleintal. Der Alpinisteig wird gerne auch als schwierigster Höhenweg Südtirols beschrieben. Gleichzeitig wird ihm auch nachgesagt einer der schönsten im Alpenraum zu sein. Er verläuft ohne großen Höhenunterschied durch die Westflanke des Elferkogels auf natürlichen, sehr (sehr, sehr!) schmalen Felsbändern entlang einer senkrechten Wand – teilweise in gebückter Haltung. Die Begehung war eine sehr luftige Angelegenheit. Zudem stieß ich auf meine größten Feinde in den Bergen: Altschneefelder. Schritt. Schritt. Nicht nach unten schauen. Schritt. Schritt. Nicht nach unten schauen. Eine falsche Bewegung an der falschen Stelle wäre hier nicht gut ausgegangen. Im Auto Richtung Grödnertal dachte ich mir, dass meine Mama von dieser Bergtour nie erfahren dürfe.

Alpinisteig Dolomiten
Foto: Sarah Koller
Schritt. Schritt. Nicht nach unten schauen.

Tag 5

Angekommen in St. Ulrich im Grödnertal, unserer neuen Basis, gingen wir es an Tag 5 etwas gemütlicher an. Direkt von der Haustür weg stiegen wir 800 Höhenmeter zur Seiser Alm auf. Sie ist mit 56 Quadratkilometern die größte Hochalm Europas und bietet atemberaubende Aussichten auf die nahen Dolomiten-Gipfel Langkofel, Plattkofel und Schlern.

Seiser Alm
Foto: Sarah Koller
Auf der Seiseralm blieb Zeit zum Entspannen

Tag 6

Am vorletzten Tag unserer Woche in Südtirol sollten mich Hände und Beine auf meinen ersten 3.000er bringen. Und zwar auf den Plattkofel in der Langkofelgruppe über den Oscar-Schuster-Klettersteig. Die Tour startet bei der Talstation am Sellajoch. Die Seilbahn auf die Langkofelscharte ließen wir allerdings links liegen. Zu Fuß stiegen wir zur Langkofelhütte auf und über das Plattkofelkar weiter zur Einstiegsstelle. Der Klettersteig ist nicht komplett versichert und erfordert teilweise Kletterei im ersten und zweiten Schwierigkeitsgrad. Über 700 Höhenmeter ging es im Klettersteig durch steiles Gemäuer und Kare. An die freie Kraxlerei musste sich mein Kopf anfangs wieder gewöhnen. Aber hey, ich würde bald auf meinem ersten 3.000er stehen und einen unvergesslichen Gipfelmoment erleben. Der Gipfelmoment war definitiv unvergesslich.

Aussicht vom Plattkofel
Foto: Sarah Koller
Geniale Aussicht vom Plattkofel – dem vermeintlichen Dreitausender

Aufgrund einer falschen Höhenangabe in unserer Karte erlebte ich diesen jedoch auf 2.969 m. Jep, das 3.000er Projekt ging daneben. Atemberaubend schön war es trotzdem.

Tag 7

Man sagt ja „Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.“ Meine Knie sagten nach einer Woche Non-stop-Bergsteigen allerdings: „Nicht mit uns!“ Also entschieden wir uns am letzten Tag unserer Woche in Südtirol für einen knieschonenden Ausflug zu den Geislerspitzen. Das erste Mal in dieser Woche gönnten wir uns eine Fahrt mit der Gondel auf die Seceda, um vom beliebten Aussichtspunkt auf 2.418 m den einmaligen Blick auf die außergewöhnliche Form der Geislergruppe zu genießen.

Geislerspitzen
Foto: Sarah Koller
Unsere letzte Station: Die Seceda-Alm mit grandiosem Blick auf die Geislergruppe

Auf der Pieralongia-Hütte ließen wir es uns, umringt von freilaufenden, glücklichen Hühnern, bei selbstgemachtem Topfenstrudel und Minzsaft gutgehen. Auf der Seceda fühlen sich aber nicht nur die Hühner wohl. Hier wachsen auch die Zutaten für Markus Pinoths „Gin 8025“, den man auf der Sofien-Hütte verkosten kann.

Mein Bergprojekt 2018, meine Woche in Südtirol, war alles, was ich mir erhofft hatte und noch viel mehr. Die Menschen, denen wir in den Bergen begegneten, die Gespräche, die wir an den gemütlichen Abenden in den Hütten führten und die Gastfreundschaft der Südtiroler haben uns gezeigt, dass die Berge, Pässe und Jöcher Südtirols über sprachliche und politische Grenzen hinweg die schönsten Verbindungen sind. Südtirol sieht mich bald wieder. Und ich bin mir sicher, dass diese Woche auch meinem Opa richtig viel Spaß gemacht hätte.

#hochhinaus2018 mit Bergwelten und Gigasport

Im Frühling 2018 riefen wir gemeinsam mit Gigasport dazu auf, eure Bergprojekte 2018 mit uns zu teilen. Mehrere hundert einzigartige Ideen wurden daraufhin von unseren Usern eingereicht und die Jury hatte es nicht leicht, das Siegerprojekt zu küren. Die Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, einem tollen Teilnahme-Foto und der emotionalen Verbindung zum Opa hat sie dann aber von Sarahs Vorhaben überzeugt.

Neben der Veröffentlichung ihrer Story auf Bergwelten.com hat Sarah auch noch ein Shopping-Budget von € 1.000,- von Gigasport gewonnen, das sie letzte Woche eingelöst hat. Sie ging mit einer neuen Winter-Outdoor-Jacke, einer Smartwatch, einer Isomatte und vielen weiteren Bergsport-Produkten nach Hause.

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