
Von Hütte zu Hütte: Die 7 schönsten Weitwanderwege im Trentino
Foto: Trentino Marketing / Carlo Baroni
Morgens mit dem ersten Sonnenlicht starten, abends auf einer Hütte in den Schlafsack schlüpfen – auf diesen sieben Weitwanderungen im Trentino lässt man seine Alltagssorgen ganz schnell hinter sich.
Inhalt
1. Der König der Dolomitenwege: Dolomiti Trek King
2. Das steinerne Meer: Dolomiti Palaronda Trek
3. Vom See in die Höhe: Garda Trek – Top Loop
4. Pilgern mit Blick auf die Brenta: Cammino di San Vili – Via Alta
5. Stille Schönheit zwischen Mooren und Seen: Trekkingweg der Alten Seen
6. In eininsamen Höhen: Aldo Bonacossa Weg
7. Kletternd von Hütte zu Hütte: La Via delle Normali
Von den bleichen Dolomitenwänden im Fassatal bis zu den stillen Wäldern des Cembratals. Von den Panoramabalkonen über dem Gardasee bis zu den historischen Höhenwegen der Vallagarina. Wer im Trentino weitwandert, erobert die einsamsten Ecken der Region Schritt für Schritt. Diese sieben Fernwanderwege folgen alten Saumpfaden, Pilgerrouten, Frontlinien und Höhenwegen. Sie führen über bunte Almwiesen, durch schroffe Dolomitengipfel und hinein in liebliche Weinberge. Und am Abend warten Sonnenuntergänge am Berg, Polenta mit Pilzen und ein gemütlicher Hüttenplausch. So zeigt sich ein Trentino, das man auf einer Tageswanderung kaum entdeckt – wild, still und überraschend vielfältig.
1. Der König der Dolomitenwege: Dolomiti Trek King
Val di Fassa

Auf dieser Weitwanderung ist der Name Programm: Der Dolomiti Trek King führt mitten hinein in die ladinische Sagenwelt des Val di Fassa. Auf sechs Etappen und knapp 76 Kilometern verbindet er Pozza di Fassa mit dem Karerpass – als große Hüttentour durch einige der eindrucksvollsten Dolomitenlandschaften des Trentino. Jeder Tag öffnet eine neue Kulisse: von Buffaure über Marmolada, Sella und Langkofel bis zum Rosengarten. Mal führt der Weg über aussichtsreiche Grate, mal durch Geröllfelder, Almen und Wälder. Immer dabei: Jene Farben, die die Dolomiten im Abendlicht fast unwirklich leuchten lassen. Eine anspruchsvolle Tour für ausdauernde Wanderer, die große Panoramen, Hüttennächte und Dolomitenmagie verbinden wollen.
Der Dolomiti Trek King im Überblick:
Start und Ziel: Pozza di Fassa / Karerpass
Etappen: 6
Strecke: 75,8 Kilometer
Schwierigkeit: schwer (T2)
Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober
Highlight: Ladinische Sagenwelt, große Dolomitengipfel und die Möglichkeit, einzelne Etappen flexibel mit Liften oder Shuttles zu verkürzen.
Tipp: Der Dolomiti Trek King verdankt seinen Namen der ladinischen Sage von König Laurin, dessen Rosengarten im Abendlicht der Dolomiten zu glühen scheint. Kamera bereithalten: Die Enrosadira, das berühmte Alpenglühen, ist hier besonders eindrucksvoll.
2. Das steinerne Meer: Dolomiti Palaronda Trek
San Martino di Castrozza

Auf vier Etappen und knapp 36 Kilometern umrundet der Dolomiti Palaronda Trek von San Martino di Castrozza das Herz der Pale di San Martino. Eine Felsenwelt aus hellem Dolomitgestein, steinernen Türmen, steilen Wänden und weiten Plateaus – so karg und eindrucksvoll, dass sie stellenweise mehr an einen versteinerten Ozean erinnert als an ein Gebirge. Der Trek richtet sich an Wanderer mit mittlerem bis gutem Niveau und kommt ohne Klettersteigpassagen aus. Trotzdem bleibt er ein echtes alpines Erlebnis. Wer sich darauf einlässt, erlebt eine der eindrucksvollsten Dolomitenlandschaften des Trentino – rau, weit und fast unwirklich schön.
Der Dolomiti Palaronda Trek im Überblick:
Start und Ziel: San Martino di Castrozza
Etappen: 4
Strecke: 35,7 Kilometer
Schwierigkeit: schwer (T3)
Beste Jahreszeit: Juni bis September
Highlight: Die Hochebene der Pale di San Martino – eine der eindrucksvollsten Felslandschaften der Dolomiten.
Tipp: Klettersteiggeher erkunden die Pale di San Martino auf der Palaronda Ferrata in fünf Varianten: Süd, Nord, Quick Nord, Classic und 360°.
3. Vom See in die Höhe: Garda Trek – Top Loop
Garda Trentino

Palmen unten, Edelweiß oben: Der Garda Trek – Top Loop zählt zu den eindrucksvollsten Fernwanderwegen im Garda Trentino. Von Riva del Garda führt die 7-tägige Runde vom Seeufer auf einen der höchsten Gipfel am Gardasee. Erst durch Weinberge und Olivenhaine, dann über aussichtsreiche Höhenwege, Berggipfel und alte Frontlinien aus dem Ersten Weltkrieg. Unterwegs zeigt der Gardasee immer wieder ein neues Gesicht: mal tiefblau unter steilen Felswänden, mal weit unten wie ein Fjord zwischen den Bergen. Ein überraschender Perspektivwechsel kommt ganz am Ende: Von Malcesine geht es mit dem Boot zurück nach Riva del Garda.
Der Garda Trek – Top Loop im Überblick:
Start und Ziel: Riva di Garda
Etappen: 7
Strecke: 93,3 Kilometer
Schwierigkeit: schwer (T3)
Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober
Highlight: Der Wechsel von Palmen und Olivenbäumen zu Edelweiß und Latschenkiefer – und der finale Blick zurück auf den Gardasee.
Tipp: Einfachere Alternativen zur klassischen Variante sind der Low Loop (2 Tage – leicht) und der Medium Loop (4 Tage – mittel).
4. Pilgern mit Blick auf die Brenta: Cammino di San Vili – Via Alta
Madonna di Campiglio, Giudicarie, Valle dei Laghi und Trento

Der Cammino di San Vili ist ein Weitwanderweg für alle, die beim Wandern nicht nur Landschaft erleben, sondern auch Geschichten sammeln wollen. Benannt nach dem heiligen Vigilius, dem einstigen Bischof und Schutzpatron von Trento, verbindet die fünftägige Mehrtagestour Madonna di Campiglio mit Trento. Auf dem Weg durch Dörfer, Täler und alte Kulturlandschaften sucht die Hohe Route bewusst das bergigere Gelände: mehr Höhenmeter, mehr Aussicht, mehr Abenteuer. Unterwegs wechseln sich stille Waldwege, aussichtsreiche Pässe und historische Orte ab – zwischendurch öffnen sich immer wieder weite Blicke auf die Brenta. Die perfekte Mischung aus Pilgerweg, Naturerlebnis und kultureller Zeitreise.
Der Camino di San Vili – Via Alta im Überblick:
Start und Ziel: Madonna di Campiglio / Trento
Etappen: 5
Strecke: 92,7 Kilometer
Schwierigkeit: schwer
Beste Jahreszeit: Mai bis November
Highlight: Ein Pilgerweg durch Dörfer, Täler und alte Kulturlandschaften mit herrlichen Ausblicken auf die Brenta.
Tipp: Wer es gemütlicher angehen will, der wandert auf dem Cammino di San Vili – Variante Bassa ( 5 Tage – schwer) mit weniger Höhenmetern.
5. Stille Schönheit zwischen Mooren und Seen: Trekkingweg der Alten Seen
Val di Cembra

Auf dem Trekkingweg der Alten Seen im Val di Cembra geht es nicht um schroffe Gipfel oder berühmte Dolomitenzacken, sondern um das Kleine, das beim Weitwandern plötzlich groß wird. In drei Tagen führt die ruhige Runde von Buchholz im Etschtal durch die Wiesen und Wälder des Naturparks Monte Corno. Dabei gibt es am Wegesrand allerhand zu entdecken: Dichte Wälder, dunkle Torfmoore, eiszeitliche Seen und viele Feuchtwiesen bieten einen idealen Lebensraum für zahlreiche seltene Tiere wie Kolkrabe, Steinadler und Bergmolch. Die perfekte Weitwanderung für Naturliebhaber, Ruhesuchende und Genießer.
Der Trekkingweg der Alten Seen im Überblick:
Start und Ziel: Buchholz im Etschtal
Etappen: 3
Strecke: 43,4 Kilometer
Schwierigkeit: Leicht (T1)
Beste Jahreszeit: April bis Oktober
Highlight: Dunkle Torfmoore, eiszeitliche Seen und dichte Wälder im Naturpark Monte Corno – ein stiller Weitwanderweg voller Überraschungen.
Tipp: Besonders schön ist die Tour im Herbst, wenn sich die Bäume im Val di Cembra bunt färben.
6. In eininsamen Höhen: Aldo Bonacossa Weg
Val di Non und Val di Rabbi

Der Aldo Bonacossa Weg folgt der Wegmarkierung 133 und führt in vier Tagen vom Passo delle Palade im Val di Non nach Penasa im Val di Rabbi. Dabei überschreitet der aussichtsreiche Höhenweg die gesamte Bergkette der Maddalena-Gruppe und bleibt fast durchgehend auf über 2.000 Metern. Unterwegs warten ruhige Almen, aussichtsreiche Pässe und eine stille Bergwelt, die mit rauer Natur und großer Abgeschiedenheit beeindruckt. Wer hier unterwegs ist, sucht keine bequeme Hüttentour, sondern ein echtes Mehrtagesabenteuer. Perfekt für erfahrene und trittsichere Weitwanderer, die im Trentino eine Herausforderung suchen.
Der Aldo Bonacossa Weg im Überblick:
Start und Ziel: Passo delle Palade / Penasa
Etappen: 4
Strecke: 43,8 Kilometer
Schwierigkeit: Schwer
Beste Jahreszeit: Juli bis Oktober
Highlight: Stiller Höhenwege in den Maddalene – mit Almübernachtungen und weitem Blick in Richtung Ortler-Cevedale.
Tipp: Wer möchte, kann auf dem Weg zahlreiche Gipfel sammeln: Laugen (2.434 m), Kleiner Kornnigl (2.311 m), Mandlspitz (2.395 m), Seespitz (2.410 m) liegen nur wenige Höhenmeter von der Route entfernt.
7. Kletternd von Hütte zu Hütte: La Via delle Normali
Brenta-Dolomiten

Die Via dell Normali ist kein klassischer Weitwanderweg, sondern ein großes alpines Abenteuer im Herzen der Brenta-Dolomiten. In sechs Etappen verbindet die Route über die alten Normalwege zehn berühmte Gipfel – darunter Cima Tosa, Crozzon di Brenta, Campanile Alto, Cima Brenta und Cima Grostè. Zwischen Klettern (maximal Grad III+) und Weitwandern führt der Weg vom Rifugio XII Apostoli zum Rifugio Groster durch eine der spektakulärsten Felslandschaften des Trentino. Wer hier unterwegs ist, braucht Klettererfahrung, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Kondition. Dafür wartet ein Erlebnis, das weit über eine normale Hüttenwanderung hinausgeht: steile Dolomitenwände, ausgesetzte Passagen, große Gipfelmomente und das Gefühl, mitten im steinernen Herz der Brenta unterwegs zu sein.
Die Via delle Normali im Überblick:
Start und Ziel: Rifugio XII Apostoli / Rifugio Groster
Etappen: 6
Strecke: 35,4 Kilometer
Schwierigkeit: Schwer
Beste Jahreszeit: Juli bis September
Highlight: Anspruchsvolle Weitwanderung mit Kletterpassagen auf 10 aussichtsreiche Gipfeln der Brenta-Dolomiten.
Tipp: Klettergurt, Seil und Helm gehören auf dieser Tour unbedingt in den Rucksack. Wer sich unsicher ist, nimmt lieber einen Bergführer.
Im Trentino von Hütte zu Hütte wandern
Ob Dolomitenkino im Fassatal, Pilgern mit Brentablick oder Höhenweg über dem Gardasee – die schönsten Weitwanderwege im Trentino zeigen verborgene Naturlandschaften abseits der viel begangenen Pfade. Wer mehrere Tage unterwegs ist, erlebt die Region intensiver – mit Sonnenuntergängen vor der Hütte, alten Saumpfaden unter den Füßen und neuen Ausblicken hinter jedem Pass. Plane jetzt dein nächstes Mehrtagesabenteuer und entdecke weitere Fernwanderwege im Trentino.