Der Lawinenlagebericht ist als Informationspyramide aufgebaut: Je tiefer man kommt, desto mehr Informationen erhält man. Um sich ein vollständiges Bild machen zu können, ist es wichtig, den gesamten Lawinenlagebericht zu lesen. Dabei tauchen die folgenden Bereiche auf, welche man nacheinander durchgeht.
Die Übersichtskarte:
Auf den ersten Blick gibt die Karte eine ganz grobe Übersicht über die Lawinenlage. Über die Einfärbung mit den Gefahrenstufen ist zu erkennen, in welchen Regionen eine höhere oder niedrigere Lawinengefahr herrscht.
Die Gefahrenstufe:
Die Gefahrenstufe gibt an, welche Stufe der 5-teiligen Gefahrenstufenskala derzeit in der jeweiligen Region vorherrschend ist. Die Gefahrenstufe steigt mit zunehmender Lawinengefahr von Stufe 1 – geringe Lawinengefahr bis Stufe 5 – sehr große Lawinengefahr an. Dabei betrifft die Gefahrenstufe 5 den Katastrophenfall. Für den Freizeitsport sind daher hauptsächlich die Stufen 1 bis 4 relevant. Die Gefahrenstufe gibt an, wie groß die Lawinengefahr in der Region ist. Sie gibt aber noch keine Auskunft darüber, was genau problematisch ist. Das erfährt man im weiteren Verlauf des Lawinenlageberichts.
Die Höhengrenze:
Die Höhengrenze zeigt bei einer Höhenabhängigkeit der Lawinengefahr die Grenze zwischen den Gefahrenstufen an. Das ist in der Natur ein fließender Prozess. Somit ist die Höhengrenze auch nicht als scharfe Grenze zu verstehen, sondern mehr als Übergangsbereich von einer Gefahrenstufe in die andere.
Die Lawinenprobleme:
Die Lawinenprobleme sollen Hilfestellungen für das Erkennen von Gefahrensituationen und das Verhalten im Gelände geben. Eine detaillierte Beschreibung der Lawinenprobleme mit Verhaltenshinweisen gibt es auf der Website des Lawinenwarndienstes Bayern.
Die Windrose:
Die Windrose bezieht sich auf das zuvor erwähnte Lawinenproblem und gibt an, in welchen Hangrichtungen es zu finden ist. Diese Hangrichtungen sollte man bei seinen Touren im freien Gelände möglichst meiden oder dort besonders risikobewusst unterwegs sein.
Der Text:
Die regionale Schlagzeile: Das Wichtigste in Bezug auf die ausgewählte Region in einem Satz.
Die Gefahrenbeurteilung: In der Gefahrenbeurteilung stehen die zu beachtenden Lawinenprobleme und die für eine Lawinenauslösung benötigte Zusatzbelastung. Außerdem wo sich Gefahrenstellen befinden, wie viele es davon gibt und wie groß potenzielle Lawinen werden können.
Die Angaben zu den Gefahrenstellen zeigen Bereiche auf, die man meiden oder in denen man die Hänge besonders sorgfältig beurteilen sollte. Hier steht darüber hinaus, ob verbreitet mit ihnen zu rechnen ist oder ob nur einzelne Hänge betroffen sind.
Die Zusatzbelastung gibt Hinweise darauf, ob eine Lawinenauslösung durch eine einzelne Person auf Ski/Snowboard ohne Sturz möglich ist (geringe Zusatzbelastung) oder ob man betroffene Hänge in der Regel zwar befahren kann, aber konsequent auf Entlastungsabstände achten sollte (große Zusatzbelastung). In diesem Teil des Textes wird zudem darauf hingewiesen, wenn Lawinen ohne die Zusatzbelastung durch Personen von selbst abgehen können. Bei sogenannten Selbstauslösungen ist auch mit Lawinen von oberhalb zu rechnen.
Die Lawinengröße ist wichtig für die Einschätzung der Konsequenzen eines Lawinenabgangs und den zu beachtenden Auslaufbereich bei Selbstauslösungen. Bei großen Lawinen kann man auch im flachen Talboden gefährdet sein, wenn man sich im Auslaufbereich befindet. Kleine Lawinen bleiben dagegen schon nach kurzer Zeit im Hang stehen. Die Mitreiß- und Absturzgefahr bei kleinen Lawinen sollte jedoch nicht unterschätzt werden, auch wenn die Schneemenge für eine Verschüttung oft nicht ausreicht.
Der Schneedeckenaufbau: Wie hoch die Lawinengefahr ist, hängt stark vom Aufbau der Schneedecke ab. Gibt es schwache Schichten und wie stark ausgeprägt und verbreitet sind sie? Diese Informationen erklären, warum es gefährlich ist. Außerdem können sie, mit etwas Hintergrundwissen zu den Prozessen in der Schneedecke, Aufschluss darüber geben, ob und wo man auf der ausgewählten Tour von entsprechenden Problemen betroffen ist. Über Schneedeckentests und Schneeprofilen vor Ort kann man die Angaben überprüfen und eigene Überlegungen zur Lawinengefährdung im Gelände anstellen.
Das Wetter: Das Wetter beeinflusst die Lawinengefahr. Neuschnee und Wind führen zur Triebschneebildung. Temperaturen und Strahlung haben Einfluss auf die Bildung von Schwachschichten in der Schneedecke. All diese Informationen fließen in der Erstellung des Lawinenlageberichtes mit ein. Abgesehen davon erlauben die Infos vom Wetterbericht und die Daten der Messstationen auch eine Einschätzung, wo man den besten Schnee findet oder welche Gefahren unabhängig von der Lawinengefahr bei der geplanten Tour zu erwarten sind. Das können Kälte, Wind, starke Strahlung oder schlechte Sicht sein.